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"ELIAS" op. 70

Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847)

Oratorium nach Worten des Alten Testaments

 

 

Mitte der 1830er-Jahre begann Mendelssohn mit dem Entwurf des Oratoriums Elias, kurz nach dem Erfolg seines Vorgängers Paulus.

 

Elias op. 70 ist ein Oratorium über die Geschichte des biblischen Propheten Elias. Nachdem der Stoff Mendelssohn 10 Jahre beschäftigt hatte, wurde das Werk am 26. August 1846 in Birmingham uraufgeführt. Es wurde vom zeitgenössischen Publikum begeistert aufgenommen und zählt bis heute zu den bekanntesten Werken des Komponisten.
 

 

Das Werk erwartet eine volle Orchesterbesetzung (2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Oficleide, Pauken, 2 Violinstimmen, Viola, Violoncello, Kontrabass, Orgel), einen kräftigen Chor und eigentlich 8 Solisten - jede Stimme wird mit zwei Solisten belegt, die sich die teilweise recht umfangreichen Partien teilen. Es ist also ein kostspieliges Unterfangen, das sorgfältige Vorbereitung vor allem mit den Solisten erfordert, will man der Aufführung seine eigene Prägung geben.

 

Das Oratorium sieht folgende Solo-Rollenstimmen vor:

  • Elias - Bass
  • Die Witwe - Sopran
  • Obadjah - Tenor
  • Ahab - Tenor
  • Die Königin - Alt
     

Dramatischer Aufbau und musikalischer Ablauf

Im ersten Teil des Elias erleben wir einen starken, kämpferischen Propheten, der sich auflehnt gegen die Vielgötterei der Königin im Nordreich, die als Kananäerin z. B. dem Baalskult anhing. Elias suchte diese Entwicklung zu stoppen und alle Juden hinzuwenden zu dem einen Gott: Jahwe. Im Zentrum steht also die Auseinandersetzung Polytheismus gegen Monotheismus. Im zweiten Teil erleben wir einen resignierenden, lebensüberdrüssigen Elias, der erst nach einer Zeit in der Wüste am Tiefpunkt seines Lebens wieder unter das Volk geht und eine Theophanie - ähnlich wie zuvor Moses und später Jesus Christus - erlebt. Seine Himmelfahrt sollte eigentlich nach Mendelssohns Willen das Stück abschließen. Schubring brachte ihn jedoch dazu, noch einen Anhang zu komponieren, der mit der Vertonung von prophetischen Hinweisen auf Christus doch noch die Verbindung zum Neuen Testament herstellt.

Die Sorge um Wasser bildet den dramatischen Spannungsbogen des ersten Teils des Oratoriums. Die einleitende Ankündigung einer mehrjährigen Wasserknappheit durch den Propheten Elias ("So wahr der Herr") wird durch drei absteigende Tritoni untermalt Den Abschluss des ersten Teils bildet das großangelegte "Regenwunder", eingeleitet durch einen Dialog zwischen Elias und einem den Himmel beobachtenden Knaben, bis schließlich aus dem Meer eine kleine Wolke aufsteigt, die unter dem Jubel der Menge rauschende Regengüsse hervorbringt.

Der zweite Teil zeigt insgesamt bittere Niederlagen des Propheten. Die Königin hetzt das Volk zum Mord am unbequemen Mahner Elias auf, der in der Wüste von Engelschören auf den Berg Horeb geleitet wird und in der Begegnung mit dem unsichtbaren Gott den Höhepunkt seines Prophetenlebens erfährt. Er zieht erneut zum Kampf gegen die Götterverehrer aus und fährt am Ende seines Lebens in einem feurigen Wagen gen Himmel. Der Schluss kündigt dann die Ankunft des Messias an, der sein Wirken fortführen wird.

Inhalt

Erster Teil

  • Einleitung ("So wahr der Herr")
  • Ouvertüre, Chor und Rezitativ ("Hilf, Herr! / "Die Tiefe ist versieget!")
  • Duett mit Chor ("Herr, höre unser Gebet!
  • Rezitativ ("Zerreißet eure Herzen")
  • Arie ("So ihr mich von ganzem Herzen suchet")
  • Chor ("Aber der Herr sieht es nicht")
  • Rezitativ ("Elias! gehe weg von hinnen")
  • Doppelquartett und Rezitativ ("Denn er hat seinen Engeln befohlen" / "Nun auch der Bach vertrocknet ist")
  • Rezitativ, Arie und Duett ("Was hast du an mir getan")
  • Rezitativ mit Chor("Wohl dem, der den Herrn fürchtet")
  • Chor ("Baal, erhöre uns!")
  • Rezitativ und Chor ("Rufet lauter!")
  • Rezitativ und Chor ("Rufet lauter! Er hört euch nicht!")
  • Arie ("Herr Gott Abrahams")
  • Quartett ("Wirf dein Anliegen auf den Herrn")
  • Rezitativ mit Chor ("Der du deine Diener machst")
  • Arie ("Ist nicht des Herrn Wort")
  • Arioso ("Weh ihnen, dass sie von mir weichen")
  • Rezitativ mit Chor ("Hilf deinem Volk")
  • Chor ("Dank sei dir, Gott")

 

Zweiter Teil

  • Arie, Rezitativ und Arie ("Höre, Israel, höre des Herrn Stimme!" / "So spricht der Herr" / "Ich bin euer Tröster")
  • Chor ("Fürchte dich nicht")
  • Rezitativ mit Chor ("Der Herr hat dich erhoben")
  • Chor ("Wehe ihm, er muss sterben!")
  • Rezitativ ("Du Mann Gottes, lass meine Rede")
  • Arie ("Es ist genug")
  • Rezitativ ("Siehe, er schläft unter dem Wacholder")
  • Terzett ("Hebe deine Augen auf zu den Bergen")
  • Chor ("Siehe, der Hüter Israels")
  • Rezitativ ("Stehe du auf, Elias")
  • Arie ("Sei stille dem Herrn")
  • Chor ("Wer bis an das Ende beharrt")
  • Rezitativ ("Herr, es wird Nacht um mich")
  • Chor ("Der Herr ging vorüber")
  • Rezitativ, Quartett mit Chor ("Seraphim standen über ihm" / "Heilig, heilig, heilig")
  • Chor und Rezitativ ("Gehe wiederum hinab")
  • Arioso ("Ja, es sollen wohl Berge")
  • Chor ("Und der Prophet Elias brach hervor")
  • Arie ("Dann werden die Gerechten leuchten")
  • Rezitativ ("Darum ward gesender der Prophet Elias")
  • Chor und Quartett ("Aber einer erwacht von Mitternacht" / "Wohlan, alle die ihr durstig seid")
  • Schlusschor ("Alsdann wird euer Licht")

 

 

 

 

Wirkungsgeschichte

Zum ersten Male in der Musikgeschichte brachte ein Sonderzug etwa 300 Aufführende von London zur Aufführung in Birmingham. Die Reaktion des Publikums und der Kritiker auf die Uraufführung am 26. August 1846 auf dem Musikfestival in Birmingham war durchweg positiv, das Publikum forderte nach der dreieinhalbstündigen Vorstellung, in der auch Haydns Oratorium Die Schöpfung und Teile von Beethovens Missa Solemnis aufgeführt wurden, mehrere Zugaben. Nach der Uraufführung überarbeitete Mendelssohn sein Werk. Er komponierte einige Nummern völlig neu, andere überarbeitete er nur. Im Jahr darauf erschien das Werk im Druck und wurde aufgrund des großen Erfolgs zwischen 16. und 30. April 1847 in England sechs weitere Male unter Leitung des Komponisten aufgeführt. Bei einem der Konzerte waren Königin Victoria und ihr Prinzgemahl Albert anwesend, die Mendelssohn eine Audienz gewährten und ihm durch einen Eintrag in seinem Textbuch ihre Anerkennung ausdrückten. Vom englischen Königshof wurde Mendelssohn als "Elias der neuen Kunst" gefeiert.

 

Im Herbst 1847 begann Mendelssohn auch in Leipzig Proben zum Elias, den er nun in mehreren deutschen Städten aufführen wollte. Doch da er am 4. November 1847 an den Folgen mehrerer Schlaganfälle verstarb, fand die Aufführung schließlich unter Leitung Niels Wilhelm Gades statt - in Mendelssohns Andenken zu seinem Geburtstag, dem 3. Februar. Auch Jenny Lind, die Mendelssohn ursprünglich für den Part der Witwe vorgesehen hatte, sang diese Rolle erst nach seinem Tod im Rahmen eines Gedächtnisgottesdienstes in London.

 

Während dem Werk seine Popularität in England und Amerika (erste Aufführung 1847 in New York) bis heute erhalten blieb, war die Aufnahme in Deutschland kühler. Das nüchterner eingestellte Publikum des frühen 20. Jahrhunderts empfand die Musik als zu romantisch. In der Zeit des Nationalsozialismus war der Elias ab 1933 zudem aus antisemitischen Gründen mit einem Aufführungsverbot belegt und konnte sich auch nach dem zweiten Weltkrieg nur zögerlich wieder im Konzertbetrieb etablieren. Heute ist der Elias - zusammen mit Mendelssohns Paulus - jedoch wieder fester Bestandteil des Musiklebens: Aufgrund seiner packenden szenischen Dramatik und der mitreißenden Chöre erfreut er sich insbesondere bei Amateurensembles hoher Beliebtheit und gilt manchen gar als Höhepunkt Mendelssohns Schaffens.

 

Das Oratorium Elias birgt auch hochaktuellen Zündstoff: Der Prophet stellt sich einem Zeitgeist entgegen, der eine egozentrische Gesellschaft hervorgebracht hat, die nur noch an das eigene Wohlergehen denkt, korrupte Gottheiten anbetet und in ihrer Masse von Fanatikern manipulierbar geworden ist.

 

   

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